Jeden Tag bewegen sich Menschen durch Raum und Zeit. Traditionell wurde die Leistung bei Navigationsaufgaben vor allem anhand der benötigten Zeit oder der zurückgelegten Distanz bis zum Ziel gemessen. Durch den Einsatz mobiler Sensoren wie GPS und digitale Kompasse ist es inzwischen möglich, raum-zeitliche Bewegungsdaten sehr detailliert zu erfassen und sogar kontextuelle Informationen über die Umgebung aufzunehmen. Solche raum-zeitlichen Trajektorien liefern jedoch allein keine direkten Einsichten in das tatsächliche Bewegungsverhalten. Beispielsweise: Weist eine langsamere Geschwindigkeit bei der Navigation auf Desorientierung hin, oder handelt es sich lediglich um eine Reaktion auf Umweltfaktoren (z.B. Verkehr)? Umgekehrt – spiegelt hohe Geschwindigkeit tatsächlich ein hohes Vertrauen in die eigene Wegfindung wider?
In dieser Arbeit untersuchen Sie räumliche Trajektorien von Teilnehmenden, die Wegfindungsaufgaben bearbeiten. Ziel ist es, geeignete Maße zur Analyse und Interpretation von Trajektorien zu identifizieren – z. B. wie sich Wegfindungssicherheit oder das “Getting-List” anhand von Geschwindigkeit, Blickrichtung und Trajektorienverlauf bestimmen lassen –, Algorithmen zu entwickeln, die relevante Informationen aus Trajektoriendaten extrahieren, sowie den Ansatz anhand bestehender Datensätze zu testen.
Sie erhalten Zugang zu Trajektorien, die in Wegfindungsstudien mit unserer Forschungssoftware GeoGami (www.geogami.org bzw. https://app.geogami.ifgi.de/) erhoben wurden.
Literatur zu Maßen für die Wegfindungsleistung (nicht technologiegestützt):
Hölscher et al (2006): Up the down staircase: Wayfinding strategies in multi-level buildings, https://doi.org/10.1016/j.jenvp.2006.09.002
Ruddle et al (2006): Three Levels of Metric for Evaluating Wayfinding, https://doi.org/10.1162/pres.15.6.637